Jetzt wird es wirklich abenteuerlich.
Nachdem das Fahrzeuggewicht bisher als Erklärung für die schlechteren Bremswerte herhalten musste, wird nun kurzerhand eine neue Bewertungseinheit eingeführt: Meter Bremsweg pro Tonne Fahrzeuggewicht.
Respekt, auf die Idee muss man erst einmal kommen.
Nur hat diese Kennzahl leider keinerlei sinnvolle Aussagekraft für die Bremsleistung eines Fahrzeugs. Der Bremsweg steigt eben nicht proportional zum Fahrzeuggewicht. Im idealisierten physikalischen Modell kürzt sich die Masse bei der Berechnung der Bremsverzögerung sogar vollständig heraus.
Nach deiner Logik müsste man also nur genügend Gewicht in ein Fahrzeug packen, damit es in deiner selbst erfundenen Rangliste immer besser abschneidet. Ein 40-Tonnen-Lkw mit 40 Metern Bremsweg käme auf sensationelle 1 Meter pro Tonne. Ein absoluter Bremschampion!
Merkst du, wie absurd diese Rechnung ist?
Noch interessanter finde ich allerdings, dass du selbst schreibst, die vier Meter Unterschied zwischen den Fahrzeugen würden den Bock nicht fett machen. Bei einer Vollbremsung aus 100 km/h kann der Sealion noch mit über 30 km/h unterwegs sein, während das besser bremsende Vergleichsfahrzeug bereits steht. Das ist keine subjektive Interpretation, sondern eine physikalisch berechenbare Konsequenz der gemessenen Bremswege.
Natürlich darf man die Relevanz solcher Unterschiede für den persönlichen Alltag unterschiedlich bewerten. Niemand behauptet, dass der Sealion deshalb ein schlechtes Auto wäre. Ich fahre ihn schließlich selbst.
Aber es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen „Diese Schwäche ist mir persönlich nicht wichtig“ und „Diese Schwäche existiert nicht, weil ich eine andere Berechnungsmethode erfunden habe“.
Und genau darum geht es hier seit Beginn der Diskussion.
Besonders bemerkenswert ist, dass du einerseits Objektivität einforderst, andererseits etablierte Vergleichstests pauschal als Pseudo-Tests abqualifizierst und stattdessen eine physikalisch unsinnige Kennzahl präsentierst, die zufällig dein Wunschfahrzeug besser aussehen lässt.
Vielleicht liegt das Problem also weniger bei den angeblich unqualifizierten Testern oder den kritischen Forumsteilnehmern, sondern bei der Bereitschaft, ein objektives Messergebnis auch dann zu akzeptieren, wenn es einem persönlich nicht gefällt.
Physik wird nicht dadurch objektiver, dass man die Einheiten so lange verändert, bis das gewünschte Ergebnis herauskommt.