Ehrlich gesagt verwirrt mich das etwas und macht mir auch ein bisschen Sorgen. Dabei geht es mir nicht um den Preis, sondern darum, wie viele Kilometer man tatsächlich fahren kann.
Das Problem ist: Jedes Mal, wenn ich auf der Autobahn ein Elektroauto sehe, fährt es sehr langsam – meistens genau am Tempolimit oder sogar deutlich darunter. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob die niedrigen Verbrauchswerte, die oft genannt werden, für jemanden realistisch sind, der ganz normal fährt wie mit einem Verbrenner, also zum Beispiel etwa 10 km/h über dem jeweiligen Tempolimit.
Das ist Deine ganz persönliche, eine sehr subjektive Wahrnehmung, die ich so nicht teilen kann. Aus der Perspektive eines Bleifussindianers mag es so aussehen, dass E-Autos langsamer fahren, und aus dieser Perspektive mag das auch als "sehr langsam" erscheinen. Nach meiner, ebenfalls sehr subjektiven Wahrnehmung fahren die meisten EV brav am Tempolimit. So wie es eigentlich sein sollte. So wie es der Gesetzgeber vorgegeben hat. "Schleicher" gibt es gewiss auch bei den EV-Fahrern, aber das sind wohl dieselben Zeitgenossen, die auch früher schon mit Verbrennern auf der offenen Autobahn minutenlang einen Laster mit 95 km/h überholt und sich einen Deut darum geschert haben, dass sie den schnelleren Verkehr aufhalten.
Ich fahre überwiegend Autobahn, und nein, Deine Wahrnehmung deckt sich nicht mit meiner. Implizit in Deiner Darstellung scheint zu sein, dass viele EV-Fahrer bewusst langsamer fahren, um die Reichweite zu optimieren. Wir können nicht in die Köpfe anderer hineinsehen, aber Reichweitenoptimierung, oder Kosteneinsparung vermute ich jetzt mal nicht (mehr) unter den primären Motivationen. Wer ein paar Mal Langstrecke gefahren ist, weiss seine Fahrt so zu planen, dass er bequem und entspannt nachladen kann, zum optimalen Zeitpunkt und ohne die leisesten Reichweitenängste. Und um die Kosten kann es auch nicht gehen, denn die Ersparnisse sind im Cents- bis niedrigen Eurobereich. Pipifax, wie an anderer Stelle dargelegt.
Ich fahre mindestens 75% Autobahn, sehr viel Langstrecke. In der Schweiz, Deutschland, Oesterreich, Italien, und auch sehr viel in Frankreich. Einzig in Deutschland darf man noch legal auf der Autobahn bolzen; in allen anderen Ländern ist man gut beraten, sich in der Nähe der vorgegebenen Geschwindigkeit zu halten, sonst kann es ganz schön teuer werden. Italien ist da vielleicht die Ausnahme; vielerorts wird dort das Tempolimit im besten Fall als eine unverbindliche Empfehlung angesehen. Es trifft zu, dass ich mit dem Kauf meines ersten EV, dem Seelöwen, meinen Fahrstil etwas geändert habe, aber keineswegs aus den oben genannten Gründen. Anstatt 150 bis 170 km/h auf der deutschen Autobahn fahre ich nun 130 bis 140. Dasselbe in Italien und Frankreich (Tempolimit max 130 km/h), und irgendwo um die 130 in der Schweiz (max 120 km/h). Ich fahre also in Deutschland ein wenig langsamer als vorher, dafür deutlich entspannter. Alles andere blieb wie dannzumal. Ganz normal. Für einen Nicht-Bleifussmohikaner. Wahrscheinlich so normal wie bei den meisten Seelöwenfahrern in diesem Forum auch. Mein Durchschnittsverbrauch nach 34'000 km? 22,5 kWh/100 km. So wie viele Seelöwen in diesem Forum auch. Reichweite? Kein Thema. War es - völlig unbegründet - auf den ersten drei Langstrecken, dann hatte ich es begriffen.
Ich habe nichts gegen die Darstellung subjektiver Wahrnehmungen, Vermutungen und Projektionen. Ich finde jedoch, dass es dem Erkenntniswert und -gewinn in diesem Forum gut täte, wenn wir uns soweit es geht an Fakten halten und Spekulationen auf ein Mindestmass reduzieren. Das wäre ein echter Gewinn! Allzeit gute Fahrt.